Tiefere Gespräche mit Empathie: Die 4 Stufen des Zuhörens

​Otto Scharmer - Ein Aktionsforscher, der Innovationen in den Bereichen Lernen und Führung mitgestaltet, nach dem Motto "vom Ego-system zum Eco-system".

Fotorechte: ​Ad Huikeshoven - Eigenes Werk


Persönlich durfte ich Otto Scharmer noch nie treffen. Dennoch waren er und seine Theorien oft das Hauptthema in Gesprächen in meinem Leben.

Otto Scharmer wuchs auf einem Hof auf, der biologische, regenerative Landwirtschaft betrieb. Dort lernte er die Bedeutung eines gut genährten Bodens kennen. Diese Erfahrung inspirierte ihn zu einem neuen Denkansatz, der auch Führungskräfte dazu ermutigt, für die Pflege ihrer sozialen Felder verantwortlich zu sein.

Ein gut genährtes soziales Feld hat die Kraft, Menschen darin wachsen zu lassen. Aber ist diese Verantwortung nur einer Person vorbehalten? Kann die Verantwortung für ein Feld auch auf eine Gruppe übertragen werden?

Ich glaube, dass jeder sein Feld mitpflegen kann. Auch sollte jeder Mensch in die Lage gebracht werden, den Wert des Feldes zu steigern. Du und deine Nachbarin, wir alle können uns die Frage stellen, wie wir gemeinsam leben wollen. Und dafür die vollste Verantwortung übernehmen.

Die Gefahr, die von vermeintlichen Wahrheiten ausgeht

Das Bild der Pflege eines sozialen Felds lässt sich auf alle Begegnungsräume der Menschen ausweiten: Arbeitsumfeld, Familie, Freundeskreise, Partnerschaft, … Nie ist nur einer dafür verantwortlich, was sich dort abspielt!

Doch leider kommt es leicht zu dieser Annahme und in Folge zu Missverständnissen und Streit. Zu gern und zu schnell wird mit dem Finger auf den Nächsten, auf den über dir oder den unter dir gezeigt. “Er ist dafür verantwortlich.” - “Ich hab da keinen Einfluss.” - “Wir haben ganz was anderes ausgemacht.” - “Ich will mich ja nicht einmischen.”

Verantwortung wird abgegeben und die eigene Beziehung zum Feld ignoriert.

“Wir sind alle verantwortlich für das, was zwischen uns passiert!” - Die Schnabelweide

Wie können wir dieses gemeinsame Feld pflegen und erhalten?

Durch Beziehung, Dialog und eine kollektive Denkweise, die den gemeinsamen Sinn und Zweck klar erkennt.

Otto Scharmer hat mit seiner Theorie U das Konzept des “Presencing” eingeführt - ein Lernen aus der sich entfaltenden Zukunft. Dies erfordert ein Umdenken in der Art und Weise, wie wir kommunizieren. Wir müssen unsere individuell-egoistische Perspektive durch eine individuell-kollektive ersetzen.

“Die größten Probleme der Welt sind das Ergebnis der Unterschiede zwischen dem, wie die Natur funktioniert, und der Art und Weise, wie der Mensch denkt.” - Gregory Bateson

Wir Menschen sind Teil der Natur. Wir sind soziale Wesen. Wir brauchen gut gepflegte, genährte Felder der Beziehungen und Verbindungen. Diese Verantwortung kann nicht an eine einzelne Person abgegeben werden. Wir alle sind gefragt.

Es kann nicht sein, dass wir uns nur im Urlaub erholen, damit wir im Alltag wieder funktionsfähig sind. Was wir wirklich brauchen, sind Pausen für ein inneres Umdenken. Pausen, um über das Umdenken nachzudenken.

Die Schnabelweide bietet diesen Raum. In einem geschützten Rahmen kannst du dieses “Lernen aus der sich entfaltenden Zukunft” üben. In den Praxisräumen schöpfen wir aus unserer kollektiven Kreativität und finden gemeinsam heraus, wie wir unsere sozialen Felder nähren können. Für eine Kultur der wertschätzenden Begegnung.

Komm auf die kleine Schnabelweide und erlebe, wie schön Gespräche sein können.



Übung

Die 4 Stufen des Zuhörens

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Warum über die steile Klippe stürzen, wenn es eine Treppe gibt?

Für einen leichten Einstieg gibt es ein praktisches Werkzeug: Die 4 Stufen des Zuhörens.

Probiere es bei deinem nächsten Gespräch aus, indem du die Ebenen der Höflichkeit und Debatte verlässt. Tauche tiefer ein.

Höre mit Empathie hinein in den anderen.

Hier sind die Schritte zur Unterstützung deines nächsten Dialogs:

  • Sieh, höre und verstehe mit den Augen und Gefühlen deines Gesprächspartners.
  • Auch wenn du nie genau wissen wirst, was dein Gegenüber durchgemacht hat, tritt aus deiner eigenen Erfahrung heraus und stelle eine emotionale Verbindung her.
  • Stelle Fragen, ohne ein bestimmtes Ziel zu verfolgen.
  • Halte dich mit spontanen Antworten zurück.
  • Wenn unangenehme Gefühle hochkommen, spüre ihnen nach, aber lass sie bei dir.
  • Fasse zusammen, was du gehört hast, damit dein Gegenüber überprüfen kann, ob du ihn richtig verstanden hast.
  • Versuche herauszuhören, was wirklich gesagt werden möchte - dieser Prozess funktioniert am besten, wenn ihr euch beide darauf fokussiert.

Verfasst von Stefan Tilg - Navis, Österreich